Zum Werk von Thorsten Frank

Unsere Bewegung durch die Welt bestimmt die Weisen unserer Wahrnehmung. Sie bestimmt also auch die Bilder, die wir uns von der Welt machen:

Ein ständiger Wechsel von Auszug und Abgang des Wirklichen im Takt von Wachen und Ruhen, Fortbewegung und Stillstehen, Weltzu- und Weltabwendung, Außenaufnahme und Innenschau. Diese Polarisation von Bewegung und Verharren gelingt dem Künstler Thorsten Frank.

 

Um in Thorsten Franks Arbeiten die besonderen Ausprägungen einer Gestalt erfassen zu können, bedarf es des Innehaltens und Maßnehmens aus der richtigen Distanz. Jenseits dieses Brennpunktes der Wahrnehmung vergeht die Welt in der Unschärfe zu großer Nähe oder Ferne. Ebenso wie der richtige Abstand ist das zeitliche Kontinuum der Bewegung zwischen dem Betrachter und seinem Gegenstand, eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Wahrnehmung, für das Herauslösen der Figur aus dem Grund, das Aufnehmen der Gliederung, das Wägen der Gestaltproportionen und letztlich für das Folgern von Gehalten aus dem Wahrgenommenen.

 

Die mobile Gesellschaft zerfällt heute in viele Bruchstücke der Ungleichzeitigkeit. Zumeist bewegen sich entweder der Wahrnehmende mit hoher Geschwindigkeit an seinen Gegenständen vorbei oder diese an ihm, der Effekt ist der gleiche:

ein Verwischen, ein Verschwinden der Form. Dieses Moment der Bewegung gelingt Thorsten Frank. Deshalb ist die Suche nach den Formen bei Thorsten Frank letztlich eine Suche nach der Zeit, nach dem Kontinuum der Bewegung zwischen den Wahrnehmenden und ihren Gegenständen. Die Begegnung mit den Arbeiten von Thorsten Frank impliziert eine Reise zur Beharrlichkeit, zur Auflösung der Schwerkraft ihrer Farbschichtungen, zur Leichtigkeit, zur Einheit von Gestalt und Gehalt.

 

Thorsten Franks Kompositionen sind komprimierte Formen aus Raum und Zeit. Das Herausarbeiten der Form zeigt sich bei ihm als Prozess der Verdichtung der bildnerischen Mittel. Am ehesten lässt sich diese Tendenz zur Komprimierung durch Verknappung wohl musikalisch umschreiben:

als Bewegung von liedhafter Melodik über polyphone Klangflächen hin zum ruhigen, lange nachklingenden Ton eines Gongs.

 

Die Wirkung der Pan-Art und PanResina geht ganz wesentlich von der gleichsam haptischen Präsenz aufgetragener Farbmaterie aus. Es gibt weder perspektivische Konstruktionen in diesen Bildern noch andere Spielarten, die Illusion von Raumtiefe hervorrufen würden. Ihre körperhafte Präsenz gleicht eher der einer Skulptur. Thorsten Franks Bilder bauen sich vor dem Betrachter auf, ein Verharren fordernd, eine Beruhigung der Blickbewegung, um so in einen Zustand intensiven Schauens zu gelangen. Erst dem längeren Verweilen und Schauen öffnen sich die wuchtigen Farbereignisse des Malers und sensibilisieren den Blick für den Reichtum der farbigen Abstufungen und die Eigenarten der Bildräumlichkeit. In ihrer beharrlichen Reduktion und Komprimierung der Bildräumlichkeit und der Malbewegung vermitteln die Arbeiten von Thorsten Frank den Eindruck innerer Konzentration. Die Reduktion aller Bildkontraste offenbart ein Inneres, in dem sich der stille, unsagbare Grund des eigenen Inneren spiegelt - gerade darin liegt die meditative Qualität dieser Arbeiten.

 

©Dr. Barbara Aust-Wegemund, 18. Juni 2007

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